Wort zum Tag

Freitag, 27. März

Wir sind am Schluss der diesjährigen Fastenwoche angelangt. Einige haben ihr persönliches Fasten schon gebrochen oder werden es heute tun, die Basenfastenden werden vielleicht noch ein paar Tage weitermachen. Ich hoffe, es war für euch – auch ohne Gemeinschafterlebnis in den Gruppen – eine gute Erfahrung. An einem Feedback wären wir im Team sehr interessiert.
Nun kommt die schwierige Nachfastenzeit. Am besten hält ihr euch an den Plan des Buchinger-Fastens: Aufbautage. Ich wünsche euch, dass ihr frisch gestärkt – und gesund! – in den Frühling und die Osterzeit hineingehen könnt. Bis nächstes Jahr wieder!

Zum Schluss der täglichen „Worte“ hier ein paar Gedanken von Pfr. Adrian Sutter:

Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.
So übersetzt die Lutherbibel den griechischen Originaltext bei Johannes 3, 30.

Natürlich sind hier mit «abnehmen» nicht die Kilos gemeint, die wir während des Fastens verlieren, sondern es geht um die Bedeutung von Johannes dem Täufer gegenüber Jesus, dessen Kommen er vorbereitet.

Die Fastenzeit zielt auf eine Vertiefung unserer Beziehung zu Gott. Er muss wachsen.

Die Bedürftigkeit, die ich beim Fasten erlebe, das existentielle «Abnehmen», ist Ausdruck meiner Hilflosigkeit. Ich erfahre mein Angewiesen sein auf Gott und auf Gottes Gaben.

Das Fasten lehrt mich auch meine Abhängigkeit von anderen Menschen zu sehen. Die Nahrung, die ich esse, zum Beispiel eine Scheibe Brot, wird durch die Mitarbeit verschiedenster Personen auf den Tisch gebracht.

Versuche ganz bewusst Gott mehr Raum in dir zu geben und dich selbst durch Fasten zurückzunehmen. So dass Gott durch dich in die Welt scheinen und in der Welt wirken kann.

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Donnerstag, 26. März

Durch Fasten wird der Körper leichter und der Geist klarer. Weil beim Saftfasten einige tägliche Verrichtungen wegfallen, gewinnen wir Zeit – Zeit zum Nachdenken, zum Meditieren, zum Beten. Evagrius Ponticus, einer der ägyptischen Wüstenväter, ein Mystiker, Lehrer und Schriftsteller, empfiehlt lange im Gebet zu verweilen.

Wenn du betest,
dann kümmere dich nicht um die Bedürfnisse deines Leibes,
sonst könntest du wegen eines Flohbisses
oder wegen einer Laus
oder einer Fliege
oder einer Mücke
jener unübertroffenen Gabe Schaden zufügen,
die dir im Gebet geschenkt wird.

Evagrius Ponticus, „Die 153 Kapitel über das Gebet“, Kap. 105
(vermittelt von Annarita Müller)

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Mittwoch, 25. März

Schon (oder erst?) der fünfte Fastentag. Fasten braucht auch Geduld – Geduld, um die Zeit des Verzichts zu ertragen, in diesen Tagen und Wochen auch Geduld , bis die Corona-Ansteckungsgefahr vorüber ist.

Die Geduld ist eine süsse Lebenskraft.
Sie lässt die Blüten und Früchte der Tugenden
hervorspiessen und errichtet ihnen im Herzen
der Menschen eine feste Burg.
Was immer sie beginnt, hält sie durch.
Sie bleibt beharrlich und treu
und vernichtet niemanden.

Hildegard von Bingen aus „Mensch in der Verantwortung“
(vermittelt von Annarita Müller)

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Dienstag, 24. März

Wie geht es euch beim Fasten? Vermisst ihr das Zusammensein in der Gruppe, das Gemeinschaftserlebnis ? Nun, auch im Alleinsein liegt eine Chance. Wir können sie nutzen und die Stille suchen und geniessen:

Am Ufer des Stroms

Am Ufer des grossen Flusses trafen sie auf einen weisen Mann. Welches der Weg zur Stille sei, fragten sie ihn. „Wir suchen ihn nun schon seit Wochen, finden ihn aber nicht.“

Der Alte lächelte, ehe er ihnen in rätselhaften Worten Auskunft gab: „Schenkt jedem Augenblick eure volle Aufmerksamkeit und ihr erlebt Zeit und Ewigkeit. Ergründet das Einzelne und ihr findet das Ganze. Sammelt euch. Sucht nur das Eine und ihr findet Alles. Der Weg, den ihr sucht, führt durch euch selbst. Wenn ihr den wählt, wächst der Pfad unter euren Füssen und jeder Weg führt zur Stille, gleich welchem ihr folgt.“

Ulrich Peters
(vermittelt von Monika Hemri)

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Montag, 23. März

Fastenzeit

Zeit,
die mich herausfordert,

innezuhalten
und mich zu besinnen,

umzukehren
und neue Wege zu suchen,

nein zu sagen
und Enttäuschungen zuzulassen,

Ablehnungen anzunehmen
und mich selbst zu bejahen,

nach dem Weinen
immer wieder zu lachen,

zu ertragen,
nicht allen Ansprüchen
gewachsen zu sein.

© Gisela Baltes
(vermittelt von Theresa Zenker)

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Sonntag, 22. März

Heute ist der zweite Fastentag. Ich hoffe, die Umstellungstage seien für euch erträglich.
Hier ein Segen von Antje Sabine Naegeli, vermittelt von Monika Hemri:

Möge dann und wann
deine Seele aufleuchten
im Festkleid der Freude.

Möge dann und wann
deine Last leicht werden
und dein Schritt beschwingt
wie im Tanz.

Möge dann und wann
ein Lied aufsteigen
vom Grunde deines Herzens,
das Leben zu grüssen
wie die Amsel den Morgen.

Möge dann und wann
der Himmel
über deine Schwelle treten.

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Samstag, 21. März

„Fasten verschafft einen klaren Blick für die Situation, in der wir stehen, und es hilft, wenn wir sie erkannt haben, die Konsequenzen zu ziehen und uns zu ändern.

Paulus ist ein sprechendes Beispiel dafür. Es ist kein Zufall, wenn Saulus, dem ja die jüdische Fastenpraxis vertraut war, in den kritischen Stunden seines Lebens zu einem Fastenden wird. Nach dem Erlebnis von Damaskus isst und trinkt erwährend drei Tagen nicht. ‚Wie könnte er anders als fasten? Wie könnte er an Essen und Trinken, an Fristung des bisherigen Lebens denken!‘ Saulus wurde nicht zuletzt durch Fasten zum Paulus.“

Niklaus Brantschen, Fasten – gesundheitlich, religiös, sozial, Lausanne 1987, S. 54